Zum Wohl der Häfen gegen die A20

Die A 20 kann mit ihrem küstenparallelen Verlauf der Hinterlandanbindung nicht dienen, sondern würde im Gegenteil die norddeutschen Hafenstandorte gegenüber der Konkurrenz in den Benelux-Staaten schwächen.

Die Arbeitsgemeinschaft Niedersächsische Seehäfen hat jüngst unter anderem den Bau der Küstenautobahn A 20 als vordringlich für die Hafenhinterlandanbindung gefordert. Eine Nutzenanalyse der Initiativen und Umweltverbände gegen die A 22/20 zur Funktion der Küstenautobahn als Hinterlandanbindung hat jedoch gezeigt, dass lediglich 4% der Güterverkehre zu und von den Seehäfen an der deutschen Nordseeküste über die A 20 besser abgewickelt werden könnten. Diese Nutzenanalyse war im Auftrag des Autobahnfördervereins Pro A20 vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) im Wesentlichen bestätigt worden. Schon in einer Studie aus dem Jahr 2003 hat das ISL gemeinsam mit der BVU Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH, Freiburg, gezeigt, dass die Küstenautobahn nur zu einem kleinen Teil durch Hinterlandverkehre genutzt würde. Allerdings würde mit der A 20 für die weiter westlich gelegenen Nordseehäfen in Belgien und den Niederlanden mit deutschem Steuergeld eine Straßenverbindung nach Skandinavien und ins Baltikum geschaffen. Dadurch ergäben sich zwei negative Effekte: Erstens, dass Ladung schon in den weiter westlich gelegenen Seehäfen umgeschlagen wird und unsere hiesigen Häfen Umschlagsverluste erleiden, und zweitens, dass die Verlagerung des Warentransports vom Seeschiff auf den LKW eine achtfach höhere CO2-Emission verursacht.

„Uns Gegnern der Küstenautobahn ist am wirtschaftlichen Erfolg unserer Häfen mindestens genauso viel gelegen wie der Arbeitsgemeinschaft Niedersächsische Seehäfen“, so Uwe Schmidt, Sprecher der Initiativen gegen die A 20/22. „Deswegen sind wir – angesichts der begrenzten öffentlichen Haushaltsmittel – für einen sofortigen Stopp der Planung wirtschaftlich unsinniger Verkehrsprojekte wie der Küstenautobahn und für eine klare Priorisierung von Investitionen in solche Verkehrsinfrastrukturen, die der Hinterlandanbindung tatsächlich dienen. Dazu zählen beispielsweise die Elektrifizierung der Bahnstrecke Jade-Weser-Port – Oldenburg, der Umbau von überlasteten Bahnknoten in Bremen und Hamburg sowie auch die Instandhaltung des bestehenden Straßennetzes mit Beseitigung von Engpässen wo nötig. Dass die Arbeitsgemeinschaft Niedersächsische Seehäfen pauschal alles an Verkehrsinfrastruktur fordert, was irgendwo einen Hafen berührt, und dabei Erkenntnisse zur mangelnden Funktion der A 20 als Hinterlandanbindung ignoriert, kann kaum damit erklärt werden, dass diese AG erst kürzlich neu gegründet wurde.“