offener Brief

Die Wunderlinie

Sehr geehrter Herr Minister Lies,

2015_02_22 Brief_Olaf Lies_Wunderlinienach dem Lesen des Artikels über die Wunderlinie bzw. „Wunderline“ im Weser Kurier vom 22.01.2015 sind wir erfreut über Ihre Bekundung, eine zusätzliche und schnelle Verbindung im Personenverkehr zwischen Groningen und Bremen zu unterstützen. Auch der Landtag mit seinen vier Fraktionen hat sich dafür ausgesprochen. Das würde in der Tat für die Mobilität der BewohnerInnen in unserer Region eine umweltfreundliche Alternative u. a. für Touristen und für Flugreisende mit Ziel Amsterdam, Bremen oder Hamburg darstellen.

Die niederländische Organisation VON/NCW will die 120 Millionen Euro bis zur deutschen Grenze allerdings nicht nur finanzieren, um den Tourismus zu fördern. Die Strecke soll dann auch dem Güterverkehr dienen. Das zumindest befürchten die Länder Niedersachsen und Bremen laut Darstellung im Weser Kurier.

Plötzlich erkennen und verstehen auch Sie, dass die Niederländer Güter aus ihren großen ARA- Häfen auf dem Landweg nach Norddeutschland, in den Osten oder nach Skandinavien transportieren können und wollen. Doch auf der Route liegen in Wilhelmshaven der noch wenig ausgelastete JadeWeserPort und die gut laufenden Häfen in Bremerhaven und Hamburg. Niederländische Konkurrenz für die norddeutschen Häfen darf es aber Ihrer Meinung nach nicht geben, denn das könnte den norddeutschen Häfen und der deutschen Wirtschaft schaden. Diese Meinung teilen wir übrigens.

Vollkommen unverständlich ist uns allerdings die Tatsache, dass Sie als Förderer der Autobahn A 20 diese als unverzichtbar für die Hinterlandanbindung der deutschen Häfen bezeichnen. Als niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr sind Sie sogar für die Planung dieser Autobahn verantwortlich, mit der einmal eine Straßenverbindung von der niederländischen bis zur polnischen Grenze geschaffen werden könnte. Bedeutet ein Gütertransport aus den Niederlanden über die A 20 denn keine Konkurrenz für die deutsche Hafenwirtschaft?

Schon jetzt belasten 40 Millionen Euro Planungskosten den Haushalt Niedersachsens für diese Hafenkonkurrenz-Autobahn, die nur im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) rangiert. Der Bund würde für die Errichtung dieser Seehäfen-Konkurrenz noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Die minimalen Kosten der A 20 ohne Elbquerung werden aktuell vom Bundesministerium auf 1,6 Milliarden Euro geschätzt…

Herr Lies, erklären Sie diese Ausgaben bitte den Bürgern und Steuerzahlern unseres Landes. Sieht so Ihre intelligente Verkehrsplanung aus?

Mit freundlichen Grüßen

i. A. Uwe Schmidt, Pressesprecher