A 20 schädlich für die deutschen Seehäfen

04. November 2015  Pressemitteilungen

Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die A20 (A22) sorgt für Klarstellung. Wie berichtet, macht der Förderverein Pro A 20 mit einer neuen Flyer-Reihe wieder Werbung für die Küstenautobahn. Als Beleg für die Notwendigkeit der A 20 als Hafen-Hinterlandanbindung werden prognostizierte Wachstumsraten für den Seeverkehr angeführt. Pro A 20 lässt allerdings offen, wie die A 20 helfen könnte, zukünftige Güterverkehre von und zu den Seehäfen aufzunehmen. Die Aussage des Fördervereins, die A 20 sei „unverzichtbar für die Seehäfen“, ist aus der Luft gegriffen. Sie ist zudem falsch und wird auch nicht dadurch wahr, dass sie von Pro A 20 über Jahre hinweg wiederholt wird.

2015-11-03_A20-KOK-PM_Grafik Gueterverteilung auf der Strasse

Die beiliegende Karte zeigt die Güterverteilung aus den Seehäfen bezogen auf die Straße.

Schon ein Blick auf eine Landkarte zeigt, dass das Hinterland der deutschen Seehäfen südlich der Küste liegt. In diese Richtung verlaufen auch etwa 75 % der Warenströme (1), für die schon leistungsfähige Autobahnverbindungen existieren. Eine neue Studie stuft Bremen/Bremerhaven bei der Straßenanbindung sogar als besten Hafen der Nordrange (neben den Bremischen Häfen Antwerpen, Rotterdam und Hamburg) ein (2, 3). Die geplante A 20 aber verläuft im Wesentlichen in Ost-West-Richtung parallel zur deutschen Küstenlinie, also nicht ins Hinterland. Deswegen könnten nur etwa 4 % der Warenströme aus und zu den Häfen über die Küstenautobahn besser abgewickelt werden (1). Für die deutschen Seehäfen ist die A 20 folglich nahezu nutzlos.

Von der A 20 profitieren dagegen würde vor allem der Hafen Rotterdam, der damit eine vom deutschen Steuerzahler finanzierte Autobahnverbindung Richtung Skandinavien und Baltikum erhielte. Selbst die niedersächsische und bremische Landespolitik sieht eine Verkehrsverbindung mit einem der Küstenautobahn ähnlichen Verlauf als Problem, weil dadurch Güterverkehre aus den niederländischen Häfen zum Nachteil der norddeutschen Häfen begünstigt werden. Das wurde Anfang dieses Jahres deutlich, als es um eine Entscheidung zum Bau einer Bahnstrecke mit dem Projektnamen Wunderline von Groningen über Bremen nach Hamburg ging. Wie viele andere drängt der niedersächsische Wirtschaftsminister Lies darauf, diese neue Bahnstrecke nur für Personenverkehr freizugeben, nicht aber für Güterverkehr, weil sonst die niederländische Konkurrenz der deutschen Nordseehäfen gestärkt wird (4).

Hinweise:
(1) http://wp.a22-nie.de/wp-content/uploads/2012/10/A22-Hinterlandanbindung_2011-06-30.pdf
(2) https://www.hsh-nordbank.de/media/pdf/presse/publikationen/studien/20150603_Marktexpertise_Infrastruktur.pdf
(3) https://landesportal.bremen.de/senat/45015381
(4) http://www.weser-kurier.de/region_artikel,-Die-Wunderlinie-_arid,1038850.html

Quellenangabe zur Karte:
Karte: NordNordWest: Verlauf des Westteils der Bundesautobahn 20, ursprünglich als Bundesautobahn 22 (Westerstede–Drochtersen) geplant. Online-Publikation, 13.3.2009. In: Wikimedia commons, URL: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karte_Bundesautobahn_
22.png (Stand: 26.9.2015); Einzeichnung der Trasse: © NordNordWest (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license/ GNU Free Documentation License); Deutschlandkarte: © Lencer und NordNordWest: Übersichtskarte von Deutschland, deutsche
Version. Online-Publikation, 3.6.2008. In: Wikimedia Commons, URL: https://commons.
wikimedia.org/wiki/File:Deutschland_Übersichtskarte.png (Stand: 26.9.2015, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license/ GNU Free Documentation License), geändert.