IHK fährt mit voller Kraft an Realität vorbei

20. Mai 2012  Pressemitteilungen

Der Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die A 22/20 hat schon mehrfach aufgezeigt und auch im Verkehrsgutachten zum JadeWeserPort ist belegt, dass die Güter aus den Seehäfen überwiegend in den Süden und Südosten gehen. Diesen Zielgebieten könnte die geplante A 22/20 nicht nützen. Die A 20 kann im Vergleich zum vorhandenen Autobahnnetz nur für 4 Prozent der Güterverkehre aus den Seehäfen eine Verbesserung bedeuten.

Aber auch in Richtung Ruhrgebiet wäre der Weg über eine A 22/20 deutlich länger als über die vorhandene A 1 – aus dem Hamburger Hafen beispielsweise um knapp 100 Kilometer. Insbesondere für Güter aus Schleswig-Holstein steht eine A 20 hinter der zukünftig gut ausgebauten A 1 weit zurück. Die Bedeutung der Nord-Süd-Verkehre zeigt eindrucksvoll die Verkehrsprognose zu dem aktuell planfestgestellten Abschnitt der A 20 Weede/Wittenborn. Während für die A 20 in Westrichtung nur knapp über 20.000 KFZ/24h für 2025 vorhergesagt werden, sind der Prognose für die in Nordsüdrichtung verlaufende A 21 fast 50.000 KFZ/24h nördlich von Bad Segeberg zu entnehmen.

„Was die A 20 betrifft, fährt die IHK mit voller Kraft an der Realität vorbei“, stellt Uwe Schmidt, Sprecher des Koordinationskreises fest. Auch die Offshore-Häfen würden in Richtung Norden bedient. Das heißt, die A 20 mit ihrer Ost-West-Ausrichtung verläuft schlicht in der verkehrten Richtung – nicht nur bezogen auf die Hinterlandgüterströme.

Die perfekte Vernetzung der Seehäfen entlang der norddeutschen Küste findet auf dem Wasser statt. Nur dort können die Reeder ihr Geld verdienen und damit Arbeitsplätze erhalten. In Ost-West- Richtung würde die Ertüchtigung des vorhandenen Straßennetzes vollkommen ausreichen. Damit wäre allen geholfen: Der regionalen Wirtschaft, der Natur, den Menschen vor Ort und vor allem auch der Landwirtschaft, die für diese Autobahn mit immensen Flächenverlusten bluten müsste. Aber die Landwirtschaft wird von der IHK offensichtlich nicht vertreten.

A 20 nicht ausgelastet

18. Mai 2012  Pressemitteilungen

Das Bundesverkehrsministerium hat jetzt auf Nachfrage der Bundestagsabgeordneten Dr. Valerie Wilms eingeräumt, dass die bisher gebauten Abschnitte der A 20 nicht ausgelastet sind. So wurden in den 90er Jahren für den Abschnitt Geschendorf bis Mönkhagen 31.400 Fahrzeuge pro Tag im Jahr 2015 prognostiziert. Diese Annahme war aber viel zu hoch: 2010 war laut Zählung mit 15.690 Fahrzeugen nur knapp die Hälfte auf der Strecke unterwegs. Noch geringer waren die Zahlen für den Schwerlastverkehr: Von ursprünglich deutlich über 5000 anvisierten Fahrzeugen wurden 2010 gerade einmal 1.731 am Tag gezählt.

„Bei solchen Werten sollte der Weiterbau der A 20 wirklich noch einmal grundlegend überdacht werden“, sagt Valerie Wilms dazu. „Diese Menge kann ohne Probleme mit einer normalen Bundesstraße bewältigt werden. Das ist nichts, wofür man eine Autobahn bauen muss.“ Die Mittel für den Bau sollten besser für andere Verkehrsprojekte eingesetzt werden. Der Vergleich der Prognosen mit den tatsächlichen Werten zeige deutlich, dass die Planung von Autobahnen der Realität hinterherhinke. „Bei großen Projekten werden die Zahlen gerne sehr hoch prognostiziert, damit sie überhaupt durchgesetzt werden können“, so Wilms weiter. „Bei vielen neuen Strecken – siehe etwa Ostseeautobahn – werden die Prognosen aber nie erreicht und der Bund muss enorme Mittel in die Erhaltung stecken.“

Die neue Landesregierung solle deswegen alle Verkehrsprojekte auf ihren Nutzen für das gesamte Verkehrsnetz und die Finanzierbarkeit der Unterhaltung überprüfen. Die Projekte müssten mit Schuldenbremse, demografischem Wandel und dem Klimaschutz in Einklang gebracht werden. Dazu komme es darauf an, die Verkehrsträger Schiene, Schiff und Straße optimal aufeinander abzustimmen.

Die Antwort auf die Kleine Anfrage „Planung der Elbquerung für die A 20″ ist auf Nachfrage erhältlich.

Dr. Valerie Wilms MdB / Fraktion Bündnis 90/Die Grünen / www.valerie-wilms.de

 

Küstenautobahn: „Intelligente Lösungen statt teurer Prestigeprojekte“

11. Mai 2012  Allgemein

Initiativen schließen sich bundesweitem Netzwerk „Verkehr mit Sinn“ an

„Deutschland ist durch ein außerordentlich dichtes und in der Unterhaltung teures Straßennetz erschlossen. Verkehrswissenschafter zeigen seit langem auf, dass der Grenznutzen des vorhandenen Straßernetzes erreicht ist und jeder weitere gebaute Kilometer Straße höhere Kosten und Umweltauswirkungen verursacht als er Nutzen bringt.“

So ist es zu lesen in der Präambel des Grundsatzpapiers des Anfang Mai in Würzburg neu gegründeten Netzwerks „Verkehr mit Sinn“. Das neue länderübergreifende Netzwerk wurde von Verkehrsinitiativen aus dem gesamten Bundes gebiet ins Leben gerufen. Die rund 40 Teilnehmer der Gründungsversammlung repräsentierten insgesamt über 200 Bürgerinitiativen, Dach- und Umweltverbände Auch der Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die Küstenautobahn A 20 war dabei und trat dem Netzwerk bei.

Das Grundsatzpapier des Netzwerkes fordert eine Ausweitung der Bürgerbeteiligung und die grundlegende Reform der Bundesverkehrswegeplanung hin zu einem ehrlicheren Ansatz bei der Bewertung. Ökologisch und ökonomisch unsinnige Projekte gehörten demnach kritischer als bisher auf den Prüfstand. Zentraler Aspekt sei der Schutz von Mensch, Natur und Landschaft, sowie die Reduktion der Emissionen von Lärm, Schadstoffen und Klimagasen. Ebenso müsse auch die künftige Ressourcenverknappung und der demographische Wandel berücksichtigt werden.

Weiter heiBt es in dem Papier: „Wir wollen in unserer dicht besiedelten Heimat Natur und Landschaft vor weiterer Zerschneidung und Überbauung schützen. Wir wollen intelligente und dauerhafte Lösungen für anstehende Verkehrsfragen, statt plumper Antworten in Beton, teuren Prestigeprojekten und medienwirksamen Spatenstichen für Politiker. Wir fordern sinnvolle Verkehrssysterne, die keinen ausschließen und die langfristig auch bezahlbar sind.“

Das Netzwerk möchte eine Plattform für den gegenseitigen Austausch von Erfahrungen schaffen, um die Ressourcen miteinander zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen. Ein gemeinsames Auftreten gegenüber Politik, Verwaltung und Verbänden sowie in der Öffentlichkeit soll helfen, sich wirkungsvoll für die Erreichung der gemeinsamen Ziele einzusetzen, Insbesondere soll auf die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans 2015 Einfluss genommen werden.

Der Koordinationskreis der Initiativen gegen die A 20 verspricht sich noch mehr Schlagkraft durch die Vernetzung mit anderen Initiativen auf Bundesebene: „Bundesweit wollen die Menschen keine weitere Zerschneidung ihrer Landschaft durch Straßen, die keinen Nutzen mehr bringen“, so der Eindruck von Uwe Schmidt. Sprecher des Koordinationskreises. von der Gründungsversammlung in Würzburg, Allein im Koordinierungskreis gegen die Küstenautobahn sind mehr als 14Initiativen aus der Region zwischen Ammerland und EIbe organisiert.

Text Friesländer Bote vom 11.05.2012

Küstenautobahn A 22/20 – Nutzenanalyse ihrer Funktion als Hinterlandanbindung der Seehäfen

20. April 2012  Allgemein

In der öffentlichen und politischen Diskussion sowie in den Unterlagen zum Raumordnungs- verfahren wird die Küstenautobahn A 22/20 u. a. mit ihrer Bedeutung für die Hinterland- anbindung der Seehäfen begründet. In diesem Papier wird überprüft, inwiefern die A22/20 diese Funktion erfüllen kann. Es wird weiter dargestellt, welche möglichen Alternativen für die Sicherung – und falls erforderlich den Ausbau – der Hinterlandanbindung bestehen.

Als Maß dafür wird in einem ersten Schritt ermittelt, wie sich die Wegstrecken zwischen den Seehäfen an der deutschen Nordseeküste untereinander und zu den wichtigsten Ziel- und Quellregionen des Güterverkehrs durch die A 22/20 im Vergleich zu dem bestehenden Autobahnnetz verändern würden. Eine Verbesserung der Verkehrsbeziehungen ins deutsche oder südeuropäische und südosteuropäische Hinterland, wie z. B. ins Ruhrgebiet oder in südöstlich gelegene Zielgebiete als bedeutende Quell- und Zielregionen, ergibt sich hiernach nicht. Vielfach verlängern sich die Wegstrecken sogar. Verkürzen würden sich die Verbindungen zwischen den Seehäfen Rotterdam und Wilhelmshaven/Bremerhaven, zwischen Skandinavien und Wilhelmshaven/Bremerhaven sowie zwischen Bremerhaven und Hamburg.

In einem zweiten Schritt werden die Veränderungen der Wegstrecken bewertet anhand der bekannten Richtungsverteilung der Verkehrströme. Hieraus ergibt sich, dass nur ein ver- schwindend kleiner Anteil (ca. 4 %) der Güterströme ins Hinterland überhaupt über die A 22/20 abgewickelt werden könnte und dieser nur auf einer Minderheit von Strecken schneller als über das bestehende Autobahnnetz.

Aufbauend auf diesem marginalen Nutzen der A 22/20 als Hinterlandanbindung der Seehäfen wird drittens dann gezeigt, dass sich durch alternative Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur regionale Verkehrsengpässe schneller, kostengünstiger und bei geringeren Beeinträchtigungen von Mensch und Natur beseitigen ließen. Als Alternativen zur A 22/20 bieten sich zur Bewältigung der Güterströme ein Ausbau der bestehenden Bahnstrecken an und zur Beseitigung lokaler Straßenverkehrsengpässe der streckenweise dreispurige Ausbau bestehender Bundesstraßen und ggf. der Bau von Umgehungsstraßen.

Insgesamt führen die Untersuchungen zu der Schlussfolgerung, dass die A 22/20 keine Wirkung als Hinterlandanbindung der Seehäfen entfalten kann, dass sie aber als landseitige Verbindung zwischen den Häfen an der südlichen Nordseeküste eine Straßenkonkurrenz zur Seeschifffahrtroute schaffen würde und damit nationale und internationale Bestrebungen, Güterverkehr vom LKW auf das deutlich klimaverträglichere Seeschiff zu verlagern, konterkariert. Darüber hinaus könnte eine A 22/20 den Landtransport aus den ARA-Häfen (Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen) befördern und damit die Konkurrenzsituation für die norddeutschen Seehäfen verschärfen.

Komplette Nutzenanalyse als PDF-Datei.

Initiative kritisiert Flächensicherung – A 20 „Beschluss fehlt jede Rechtfertigung“

„Jegliche Rechtfertigung“ fehlt nach Ansicht der Initiative „Ammerländer Bürger gegen die A22/20“ dem Beschluss des WiefeIsteder Verwaltungsausschusses für die 99. Flächennutzungsplanänderung. Mit ihr will sich die Gemeinde – wie berichtet – vorsorglich Flächen für ein Gewerbegebiet an der geplanten Anschlussstelle der A 20 in Dringenburg sichern.

Die Autobahn sei noch meilenweit von einer Realisierung entfernt, schreibt die Initiative in einer Pressemitteilung: Es sei noch nicht einmal das Planfeststellungsverfahren eingeleitet, was mit dem Antrag auf Baugenehmigung gleichzusetzen wäre. Im aktuellen Investitionsrahmenplan der Bundesregierung sei das Projekt nicht enthalten. Die Finanzierung sei also noch vollkommen ungeklärt.

Schließlich käme die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der Elbquerung nicht voran. Und ohne neuen Elbtunnel mache die Autobahn überhaupt keinen Sinn, auch nicht im Ammerland.

Die Gemeinde Wiefelstede sichere folglich Gewerbeflächen für ein Projekt, dessen Realisierung weiterhin in den Sternen stehe. „Die Ammerländer Bürger gegen die A 22/20 kritisieren diesen überzogenen Aktionismus scharf. Er betrifft ungelegte Eier und heizt unnötigerweise die Spekulation um Flächen im Umfang von rund 50 Hektar an, bevor dies überhaupt notwendig ist“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Beschluss der Verwaltungsausschusses verunsichere die dort wirtschaftenden Landwirte und die Bewohner des nahe gelegenen Wochenendhausgebietes.

Artikel aus der NWZ vom 21.03.2012: LINK (PDF-Datei)